Patient Gamers, Backlog und Library Management

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Mit dem Aufkommen von Steam Sales, Humble Bundles und ähnlichem hat sich seit geraumer Zeit eine Art Subgruppe verstärkt, zu der ich mich grundsätzlich auch zählen würde: Die Patient Gamers.
Geduldige Gamer also, die nicht jedes Spiel zum Release spielen. Gründe die einen dazu bewegen sind vielseitig. Manch einer von uns ist (k)ein bisschen erwachsen geworden, hat Beziehungen, Familie oder Job. Komplette Wochenenden und Nächte verlieren liegt vielleicht nicht mehr ganz drin. Andere sind sparsam, sei es gezwungenermassen, oder einfach weil man es kann und versuchen von dem schnelleren Wertzerfall der Games den Steam hervorgebracht hat zu profitieren. Oder man mag Spiele mit etwas Abstand vom Release-Hype geniessen, oder mit allen DLC und Bugfixes.

Lose the Hype​

Selbstverständlich ist dieser Ansatz natürlich auch nicht für alle Games geeignet. Insbesondere Multiplayer-titel die einen vorübergehenden Boom erleben, lohnen sich verspätet nur noch in geringerem Masse. Among Us wird man z.B. in 2022 sicher auch nicht mehr kaufen müssen. (Ein Spiel übrigens dass seinen Hype auch erst 2 Jahre nach Release erlebt hat!) Auch verliert man etwas die Watercooler-Diskussionen*1: Über das Ende der Story von Witcher 3 wird man heute nicht mehr mit vielen seiner Freunden quatschen können. Und es gibt immer wieder Ausnahmen von der Regel. Red Dead Redemption 2, und Last Of Us 2 «musste» ich ziemlich zeitnahe beim Release haben. Für Cyberpunk 2077 wird es vielen ähnlich gehen.

Ein Problem bahnt sich an​

Für mich selbst ist es teilweise die Sparsamkeit, teilweise die Faszination derart viele der unterschiedlichstens Spiele zu «besitzen» (Denn eigentlich haben wir zumindest bei Steam meist nur eine digitale Lizenz für die Spiele, die theoretisch widerrufen werden könnte) die mich zum Patient Gamer gemacht haben. Und mit Faszination habe ich natürlich ein schönes Wort für etwas gefunden das definitiv suchtähnliche Züge hat. Wahrscheinlich gebe ich auch sogar tendenziell mehr Geld aus als wenn ich nur Vollpreistitel kaufen würde, da die Hemmschwelle für schnell mal 5 CHF halt auch einiges kleiner ist.
Seit einiger Zeit beobachte ich bei mir noch ein anderes Problem: Ein massives Überangebot an Auswahl.

Das Ausmass der Katastrophe​

Natürlich ist das ein absolutes Luxusproblem. Aber wer schon mal eine Stunde damit verbracht hat seine umfangreiche Spielesammlung auf Steam zu betrachten, ohne letzendlich überhaupt etwas zu spielen, weiss das es sich tatsächlich negativ auswirkt. Ich persönlich habe diese Entscheidungshemmungen schon länger als ein Problem für mich erkannt. Und Probleme versuche ich anzugehen.

Ich will aber noch verdeutlichen wie «schlimm» es um mich steht. Auf Steam haben sich in 9.5 Jahren 549 Spiele angesammelt. 268 davon habe ich überhaupt einmal gespielt. Durchgespielt oder sogar perfekte Achievements sind es in noch weniger.

Mit dem Xbox Gamepass, der bis 2022 vorbezahlt ist, habe ich nochmals Zugriff auf 228 PC-Spiele bzw. 349 Konsolenspiele. Tendenz steigend – seit kurzem sind ja auch die Titel von EA Play darin inbegriffen.

Bei Epic Games habe ich 51 geschenkte Games geclaimt.
Insgesamt über 1000 Spiele. Mehr als jeder wohl jemals spielen könnte.

Die Qualität ist natürlich auf allen Plattformen stark unterschiedlich. Überall hats eine Menge Games die keine Sau kennt und die ich ohne schlechtes Gewissen nie spielen werde. Dem gegenüber stehen aber mindestens dutzende absoluter Spitzentitel. Seien es AAA-Kracher wie Doom Eternal, Indielegenden wie Undertale oder auch Remastered Editionen von Klassikern die beim originalen Release an mir vorbei gingen.

Meine ursprüngliche Idee für eine Lösung zu diesem Problem ist etwas zu dem ich immer wieder mit unterschiedlichem Erfolg greife: Mach doch einfach eine Liste!

Vom Regen in die Traufe?​

Und zwar sollte die Liste eigentlich ursprünglich mal eine Priotisierung ermöglichen – Spiele die ich unbedingt gespielt haben will sind höher, solche die warten können tiefer. Im Wissen darum, auf wie viele Spiele ich tatsächlich Zugriff hatte suchte ich nach einem Tool das mich unterstützt. Fündig wurde ich für mich mit Completionator | Track and Complete Your Video Game Collection!. Aber es gibt bestimmt noch andere Plattformen/Tools die für andere eher den Bedürfnissen entsprechen.

Ich begann also meine Games zu erfassen. Alleine schon das Durchgehen der Stores brachte jede Menge Inspiration, welche Spiele ich eigentlich noch erleben will. Das Erfassen selbst macht Spass, und hielt mich dann auch für eine kurze Weile so beschäftigt dass ich trotzdem nichts spielte.
Completionator hat mehrere Toggles für jedes Game:
a) Backlogged – ob das Spiel noch gespielt werden soll oder nicht
b) Now playing – ob man aktiv spielt. Insbesondere Roguelikes wie z.b. Hades oder Slay The Spire bleiben wohl permanent auf now playing
c) Incomplete/Finished/Never finish – Storygames kann ich da oft auf finished stellen, was wirklich befriedigend ist :). Never finish ist ein Status der nur sehr wenige Spiele bekommen.

Relativ schnell realisierte ich dass eine Importfunktion für Steam existiert – und entschied mich diese nicht zu nutzen. Denn für all diese 500 Spiele eine Entscheidung zu treffen würde mich viel zu lange beschäftigen. Meine Liste ist bei etwa 104 Titeln stehen geblieben. Ich habe gemerkt dass alleine schon das erfassen motiviert um gewisse Games endlich anzugehen. Und jedes Mal wenn ich spontan denke: «Ah, X sollte ich auch endlich mal spielen.», wird es eingetragen.

Der Horror der zwei Bildschirme​

Zu guter Letzt beschäftigte ich mich im Zuge dieses Themas auch noch mit einem Problem das mich schon ein paar Jahre nervt. Gewisse Games spiele ich auf einem Schirm, während auf dem anderen Youtube oder Serien laufen. Das ist insbesondere bei grindy Games der Fall, wo es sich so leichter dranbleiben lässt. Nur dummerweise so gut dass diese Art von Spielen sehr gerne sehr viel Zeit schluckt – und ein eher schlechtes Gefühl zurücklässt. Um den zu begegnen habe ich eine Liste auf Completionator begonnen, die sogenannten «Passive TV Games». Dies soll bei mir das Bewusstsein schärfen, was da genau passiert. Ob es wirkt, wird sich noch zeigen.


Das war jetzt alles sehr freakpants-bezogen. Ich hoffe allerdings dass es den einen oder die andere auch inspiriert seine digitale Sammlung mal etwas genauer anzuschauen. Denn wir leben in einer Zeit von unglaublichem Überfluss an guten bis ausgezeichneten Spielen.

*1: Watercooler-Diskussionen: In vielen Büros stehen Wasserspender, um die herum in Pausen oft z.b. die neuste Folge einer Fernseh-Serie diskutiert wird/wurde.
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehr schöner Beitrag zu einem aktuellen Thema, das wohl alle Gamer irgendwie betrifft.

Ich habe schon vor vielen Jahren gemerkt, dass ich mit Gamen nicht mehr glücklich werde, wenn ich mir nicht bestimmte Regeln selber aufstelle. Die Wichtigsten:

  • Kein neues Spiel beginnen, so lange das alte noch nicht durch ist.
  • Maximal 2-3 Spiele gleichzeitig spielen (aus verschiedenen Genres)
  • Nur durchgespielte Spiele werden kategorisiert bzw eingeordnet, unberührte Titel landen auf dem (steam-eigenen) Stapel "ohne Kategorie"
  • Spiele, die einem gar nicht gefallen und die man sicher nicht durchspielen wird, dürfen auch kategorisiert bzw eingeordnet werden
  • Durchgespielte Spiele werden aufgelistet
  • Nicht jedes Spiel muss ein 100% Durchlauf sein
  • Auf Abwechslung bei den Genres achten
  • Nach Möglichkeit weder in der Early Access noch zum Release-Tag Spiele spielen
 
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Hab mir auch Regeln aufgestellt, aber teilweise wieder abbrechen müssen, weils dann doch zu streng war. Ich versuch schon mehr dranzubleiben, was mir teilweise gut gelingt. Bei mir ist aber vor allem die Regel - möglichst wenig neue Spiele kaufen, wenn ich stattdessen ein ungespieltes meiner Library spielen könnte. Aber ab und zu muss ich mir dann doch was gönnen.

Mit Steamkategorien hab ich auch gearbeitet. Ist sicher nicht schlecht. Wichtig ist auch dass manche Spiele nicht "fertig" werden. Zum Beispiel Rocket League, League of Legends, Slay The Spire und andere Roguelikes.

100% mach ich auch sowieso schon selten - bei Ori machts zum Beispiel ne Menge sinn, bei Yakuza 0, Assasins Creed, oder Far Cry nicht unbedingt - das wird irgendwann nur noch pure Mapabcheckerei ohne Spass. Das ist nice wenn man viel Zeit, aber wenig Geld hat.
 
Nicht fertig werden eigentlich auch zB Spiele wie Civilization oder Aufbaustrategie-Titel. Dort kann ich es aber in meiner Sicht/Vorstellung trotzdem fertig spielen. Bei Civ reicht mir dann zB, irgendwann eine Map komplett für mich zu entscheiden (natürlich nur mit forderndem Gameplay) oder in Aufbaustrategie etwa, wenn die ganze Map zugebaut ist. Dann gelten solche Spiele in meiner Realität auch als "durchgespielt".

Ich mag übrigens auch kurze Spiele, wenn das Erlebnis intensiv ist. So kann man es durchspielen, es weglegen und gleich den nächsten Titel auswählen...
 
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